Elke Silvia Krystufek

 


 

 



the female gaze at the male or unmale man

Ausstellungsdauer: 18. 3. – 25. 4. 2009

 

PRESSETEXT

 

In den vergangenen Jahren avancierte Krystufek mit ihren Performances, Fotografien, Videos, Installationen, Collagen und ihrer Malerei zu einer international anerkannten, viel diskutierten Künstlerin, die Österreich 2009 auf der Biennale in Venedig (gemeinsam mit Dorit Margreiter und Lois & Franziska Weinberger) vertreten wird. Ihre erste große Personalaustellung fand 1997 unter dem Titel "I am your mirror" in der Wiener Secession statt. Darauf folgten "Nackt & Mobil" in der Sammlung Essl in Klosterneuburg und im Museum für Aktuelle Kunst in Den Haag, sowie eine weitere große Einzelausstellung 2006/07 im Wiener MAK. Im Herbst 2009 gestaltet sie eine große Einzelausstellung in der Kestner Gesellschaft in Hannover.

Krystufek ist bisher vor allem dafür bekannt, den eigenen Körper konsequent zum Material und Inhalt, zum Mittelpunkt ihrer Arbeit, zu machen. Immer wieder untersucht sie in verschiedensten Darstellungsformen die Phänomene Macht, Schönheit, Diskriminierung, Gewalt und Sex meist am eigenen Lebens- und Arbeitszusammenhang. Krystufek bildet sich in unzähligen Versionen selbst ab, auch in Form von Stellvertretern. Und immer spielt das voyeuristische Verlangen des Betrachters eine wesentliche Rolle. Manchmal mit Humor, manchmal mit Listigkeit, spielt Krystufek mit dem Betrachter und mit der Dynamik des Betrachtens.

In der Ausstellung the female gaze at the male or unmale man in der Galerie Meyer Kainer konzentriert sie im Rahmen einer Rauminstallation ihr malerisches Interesse auf die ausschließliche Darstellung von Männerporträts.

Elke Krystufek installiert zwei Türen aus ihrer eigenen Wohnung als absurderweise übereinander liegende Durchgangsbereiche. Die Türen sind dabei Materialcollagen, bei denen fotografierte Menschen und Gegenstände zugeschnitten und auf poliertes und bemaltes Holz geklebt werden.

Was so zur Anschauung gebracht werden soll, ist die Verwischung der Grenze von Installation und Realität. Da die BetrachterIn die Installation nicht sehen kann, ohne die eigene Anwesenheit wahrzunehmen, entsteht mit jeder Bewegung eine neue Tür. Über die sich auf diese Weise immer neu erzeugende Wirklichkeit in der Wand, erscheint das Gebaute durchgängig als ambivalent und nicht fassbar – im Gegensatz zu Versuchen, den Gegenstand der Betrachtung durch Anverwandlung gleichsam in Besitz zu nehmen. Dass diese Versuche zum Scheitern verurteilt sind, ist das Dilemma gegen das alle Galeristen, unbewusst und wie von unsichtbarer Hand gesteuert, immer aufs Neue angehen. Es ist ihre am Bild erprobte Art des Wiedersehens.

Krystufek, als die nicht nur in Kunstdingen Unverstandene, bringt es für die Ausstellung programmatisch auf den Punkt:
"Ich sehe überhaupt keine Zusammenhänge. Gibt es auch nicht. Ich dachte, das zeige ich jetzt den Leuten in krasser Form, dass keines irgendetwas mit dem anderen zu tun hat, und damit schaffe ich eine bestimmte Bewusstseinsebene..."

Die Übersetzung des Ausstellungsziels misslingt, weil es sich angesichts fehlender Zusammenhänge auch nicht sprachlich herstellen lässt. Hiermit wird eine Wirklichkeitsvorstellung, das Flüchtige und Beiläufige in den Begegnungen der Männer, durch die Technik der Malerei in Szene gesetzt, die Unsicherheit bei ihrem krampfhaften Bemühen um Identitätsfindung und die Wahrheit einer Realität, die sich eindeutig nicht mehr erfassen lässt.

Damit ist umrissen, was Krystufek für sich als das Eigentümliche ihrer Wirklichkeitswahrnehmung beschreibt: "Tagsüber diese Déjà–vus. Am laufenden Band, Einbildungen, Sinnestrug. Rechts und links an den Blickfeldrändern tauchen Männer auf, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Kommen und gehen und rufen mir zu. Ich bin geneigt, ihnen zu folgen, ich folge ihnen und gehe manchmal die einsamsten Wege."

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