Katharina Heistinger

 


 

 



PRESSETEXT

 

Eröffnung: Dienstag, 1. Juli 2008, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 2. Juli – 2. August 2008

 

Katharina Heistinger zeigt eine Rauminstallation, die an den Schnittstellen von darstellender und bildender Kunst operiert. Als Ausgangspunkt ihrer Erkundungen dient der Künstlerin ein literarisches Werk, der Roman "Das Leben. Gebrauchsanweisung" des experimentellen Pariser Schriftstellers Georges Perec. Dieser Text wird zur Quelle aller verwendeten Materialien, die sich in der Installation wiederfinden.

 

Als zentrales Objekt fungiert ein Kulissenträger, wie er im Theater zum Einsatz kommt: Auf der Hinterbühne dient er als Transportwagen für Bühnendekorationen oder Fragmente des Bühnenbildes. Aus dem Theater ausgebrochen, stellt er sich in Heistingers Arbeit als vielschichtiger Träger zur Verfügung, als Medium, dessen sich die Künstlerin bedient, um Materialien zu formieren, die mannigfaltige Bezüge zu Literatur, Theater und bildender Kunst suchen, darunter ein mit matt eloxiertem Aluminium überzogener Sockel, ein Block gefalteter, ungebleichter Leinwand, ein achtundsiebzig Zentimeter großer Spiegel und vieles mehr. Der Kulissenträger wird zum Bildträger, Teil einer Installation oder eines Gebildes, das sich vielleicht auch dem White Cube entziehen kann, anderswo zu verorten wäre.
Besonderes Augenmerk richtet Heistinger auf die Beleuchtung ihrer Installation. So gehört weißes Neonlicht zur Grundausstattung eines jeden Ausstellungsraumes, um gleiche Lichtverhältnisse für unterschiedliche Kunstwerke zu schaffen. Der Stellenwert von Licht auf der Bühne ist ein anderer. Die Theaterbühne definiert sich ebenso durch Licht wie durch Objekte, Kulissen oder Vorhänge; bewusst werden durch Lichtsetzung Räume erzeugt. Diese Aspekte nutzt Heistinger für ihre Arbeit.

 

"Was ich durch diese Rauminstallation erzählen will? Dass es Parallelitäten zwischen bildender Kunst und Theater gibt", sagt die Künstlerin, "dass es Differenzen zwischen bildender Kunst und Theater gibt, dass sie sich gegenseitig ausschließen und doch ergänzen." In Perecs Roman heißt es zu Beginn: "[D]as Element existiert nicht vor dem Ganzen, es ist weder gleichzeitiger noch älter, es sind nicht die Elemente, die das Ganze bestimmen, sondern das Ganze bestimmt die Elemente: [...] nur die zusammengefügten Teile erlangen die Eigenschaft der Lesbarkeit, bekommen einen Sinn [...]." Der Betrachter von Heistingers Arbeit ist eingeladen, sich mit der Künstlerin auf die Suche zu begeben: disparate Elemente zu entdecken, konjunktive Linien zu ziehen, das komplexe Ganze zu erahnen.
(Martin Gastl, 2008)