Hidden Track III

12. 3. – 19. 4. 2008
 


 

 



KURATIERT VON LI TASSER

PRESSETEXT:
Mit Sherif Baruwa und Michael Weidhofer präsentiert Hidden Track III zwei Künstler, deren Produktion ein weites Spektrum von Skulptur, konzeptueller Fotografie über (erweiterte) Malerei und Zeichnung bis hin zur Installation umfasst. Von unterschiedlichen Ansätzen ausgehend, ist das Experiment, das Prozesshafte als Arbeitsmethode und künstlerische Praxis im Werk beider Künstler sichtbar.

MICHAEL WEIDHOFER (BOLTENSTERN BAR)
Michael Weidhofer’s Arbeiten entwickeln sich oft aus direkten Bezügen zu gegebenen Räumen und Situationen. Für die aktuelle Ausstellung nimmt er den ungewöhnlichen Ausstellungsort, zu dem auch eine Bar im 50er Jahre-Design gehört, als Ausgangspunkt für seine Intervention. Mit einer Reihe von über der Theke hängenden, mit schwarzem Lack beschichteten und aufgrund dessen licht-undurchlässigen Glühbirnen wirft er Fragen des Designs, des Minimalismus und der Funktionalität auf. Nicht zuletzt kann die Installierung dieser zusätzlichen „Nicht-Beleuchtung“ als subtile Anspielung auf die gängige Ausleuchtungspraxis in Ausstellungsräumen, besonders in „White Cubes“ gedeutet werden.

 

SHERIF BARUWA (BOLTENSTERN.RAUM)
Wer sich einer bestimmten Sache ganz sicher ist, könnte eine Behauptung aufstellen, dass etwas so oder so sei. Wer sich nicht ganz sicher ist und nur an die Möglichkeit denkt, dass etwas so sein könnte, wird keine Behauptung aufstellen sondern den Gedanken als bloßen Gedanken fassen. Diese Gedanken sind sich ihrer Zeitlichkeit genauso bewusst wie ihrer impliziten Umstößlichkeit. Sie verändern sich, stehen für einen Augenblick im Raum und können im Handumdrehen wieder verworfen werden. Betrachtet man die Arbeiten von Sherif Baruwa, dann sind diese den Gedanken und ihrem Wissen um die Möglichkeit einer Alternative mehr verbunden als möglichen Behauptungen. Wenn sie sich aus erkennbar gehaltenen Bruchstücken eines Materials zusammenfinden zu einer Konstruktion, dann verschweigt diese nie ihre Fragilität und Umstößlichkeit: buchstäblich umstößlich und augenblicklich richten sie sich auf um als skulpturale Skizze zu erscheinen. Hölzerne Gedankensplitter, spontane Einfälle. Konsequent an diesen Entscheidungen fürs Gedankliche ist der Versuch, diesen Möglichkeiten nachzugehen. Die hölzerne Konstruktion wird an einigen Stellen mit Leinwand ummantelt, bekleidet und bemalt, bemalt in Fortsetzung der räumlichen Annahme. Was dann erscheint, ist die Aura einer Versuchsanordnung, ein Experiment. Den experimentellen Status unterstreichen die Versuche, für diese Konstruktionen eine Grundlage, ja einen Grund zu finden. Sie stehen auf wackeligen Beinen und auf einem Grund, der selbst nur eine Konstruktion, ja eine Annahme verkörpert. Was dann bleibt ist der Eindruck einer skulpturalen und malerischen Realität, die sich von der Behauptung einer manifesten Umgebung löst und ein Plädoyer fürs Verwerfliche abliefert. Was für einen Augenblick als raumgreifende Möglichkeit erscheint, suggeriert zugleich die Alternative, wieder ins Gedankliche zurückzufallen, um sich aufs Neue wieder zu konfigurieren. In diesem Sinne entwirft Sherif Baruwa Chimären, skulpturale Gespenster. Diese Zeitlichkeit hat den Charme von Filmstills, die man in der Betrachtung eines Films selbst nie zu sehen bekommt und nur als Ungesehene wahrnimmt. Tauchen sie dann auf, fixiert im Bild und für den Augenblick, dann maskieren sie die Zeit, die sie nicht haben. (Andreas Spiegl, „Gespenster in der Zeit“, 2008)

Am Eröffnungsabend findet ein Live-Konzert der New Yorker Musikerin und Sängerin g.rizo in der Boltenstern Bar statt.